Naturstein-Blog von Bruns & Möllendorff

Neuigkeiten über Naturstein aus Hamburg

  • DAS IST DER BLOG VON BRUNS & MÖLLENDORFF

    Das ist der Blog von Bruns & Möllendorff. Hier finden Sie interessante Neuigkeiten über Natursteine. Sie erfahren Wissenswertes über Möglichkeiten, Natursteine zu verarbeiten. Sie lernen die Eigenschaften dieser einzigartigen Materialien kennen.

  • WAIDMANN 21

    Kommen Sie in den Showroom und lassen Sie sich demonstrieren, wie Sie Ihr Zuhause mit Handwerkskunst verschönern können. | Hier die Öffnungszeiten: MO – DO von 8.00 – 18.00 Uhr + FR von 8.00 – 16.00 Uhr; nach Terminvereinbarung auch früher/später. Das Natursteinwerk BRUNS & MÖLLENDORFF ist in der Waidmannstraße 21-23 in Hamburg zu finden, die S-Bahn-Station in der Nähe heißt Diebsteich.

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In der alten Reichsbank gibt es sehenswerte Ausstellungen

Geschrieben von fbtde - November 22, 2011

Unsere Serie über Hamburger Gebäude in Naturstein setzen wir mit einem Beitrag über die frühere Reichsbank fort. Heute befindet sich das Bucerius-Kunstforum in diesem Gebäude.

Die Fassade des heutigen Bucerius-Kunstforums besteht aus Muschelkalk.

Dass das Bucerius-Kunstforum als einziges Museum in der Hansestadt montags geöffnet hat, ist relativ einfach zu erklären: Es habe damit zu tun, dass man im Gegensatz zu Häusern mit eigenen Sammlungen die Betreuung der Leihgaben für die jeweiligen Ausstellungen nicht an diesem Wochentag absolvieren müsse, sagt eine Sprecherin des Museums. Hier, am Alten Wall 2 in unmittelbarer Nähe des Rathauses, kann man immer wieder hervorragend präsentierte, gut ausgesuchte Ausstellungen erleben; die in der Regel glänzend besucht und zumeist wirklich sehenswert sind. Das Museum, benannt nach dem einstigen Verleger der ZEIT, die nur ein paar Steinwürfe weiter ihren Sitz hat, gehört zu den Pflichtorten kulturell interessierter Menschen – auch über Hamburg hinaus.

Ralf Langes Architekturführer Hamburg nennt die ehemalige Reichsbank eine “der beispielhaftesten Hamburger Bauten für die gestalterischen Tendenzen des späten Kaiserreichs” (S. 16). Die straffe Gliederung der Fassade in Pfeilern verweise auf den strengen Neoklassizismus in Berlin am Vorabend der Moderne. Fünf Figuren unter dem Frontispiz incl. Wappen repräsentieren nach Lange Hamburger Wirtschaft:

  • Fischerei,
  • produzierendes Gewerbe (Schmied),
  • Handel (Kaufmann),
  • Landwirtschaft (Bauer),
  • und Seefahrt.
  • In den Medaillons der Ostfassade seien die Hohenzollernkaiser porträtiert worden.
  • In den Figuren, die das Hauptportal bekrönten, stünden sich Merkur und ein Ritter mit Schwert gegenüber. Lange versteht sie als Sinnbilder von Wirtschaftsmacht und Streitkraft, den beiden Säulen wilhelminischen Imperialismus’.

Ein Blick auf die Wasserfront des einstigen Reichsbankgebäudes.

Lange nennt eine ganze Reihe von Architekten. Der Ursprungsbau sei von der Bauverwaltung der Reichsbank 1914-16 realisiert worden; Umbau und Restaurierung (1981-83) von Schramm, Pempelfort, v. Bassewitz und Hupppert (Mitarbeit Meyerbröker/Leiska).

Nachvollziehbar ist, dass der Architekturexperte ein Loblied auf die Innenarchitektur singt. Sie setzt für die Gestaltung der heutigen Ausstellungen durchaus Rahmen: Lange spricht von einem mosaizierten Oktogon. So ergeben sich ungewöhnliche Rundgänge: Schritt für Schritt durchmisst man als Betrachter zunächst den äußeren, dann den inneren Raum der ehemaligen Kassenhalle. Für die Eingangshalle erwähnt Lange inkrustierte Marmorverkleidungen, das Material sei aus der früheren, deutschen Kolonie Togo herbei geschafft worden.

Die Außenhaut der früheren Reichsbank besteht aus Muschelkalk – wie auch das Alsterhaus, wenige Schritte entfernt. Dieser Naturstein harmoniert auf bemerkenswerte Weise mit dem Sandstein, das das Rathaus-Markt-Ensemble beherrscht. Insgesamt, und das ist wirklich angenehm, tritt die nüchtern wirkende Gestaltung dieses Gebäudes hinter seinen heutigen Zweck auf eine angenehme Art und Weise zurück.

Das Museum kann sich zugute halten, auf eine sehr kundige Weise Kunst zu präsentieren. Zwar gibt es immer wieder Momente, wo zuviel erklärt wird, andererseits sind die erläuternden Texte nicht nur von stets guter Qualität, sondern auch konsequent zweisprachig gehalten (meist Deutsch & Englisch). Wer es bislang nicht schaffte, das Museum zu sehen, sollte es schnellstens nachholen.

Was ist Muschelkalk? Die “Entwicklungsgeschichte der Erde” rechnet Muschelkalk zu den dichteren Sorten des Kalksteins (S. 613). Dieser Naturstein ist nichts anderes als verdichtete Fossilreste ehemaliger Meeresbewohner. Ebenfalls zu Kalksteinen gehören poröser Kalkstein (Kalktuff, Travertin), Oolith, Kreide und Marmor (S. 613).

Literatur: Die Entwicklungsgeschichte der Erde (7. Auflage), Ralf Lange, Architekturführer Hamburg

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Neuer Lesestoff in unserem Blog

Geschrieben von fbtde - November 18, 2011

Diese Skulptur lohnt durchaus einen zweiten und dritten Blick.

Ab heute gibt es neuen, zusätzlichen Lesestoff auf unserem Blog. Die Seite Hamburg-Essays geht als erstes der Frage nach, warum – und ob überhaupt – Hamburg die schönste Stadt der Welt ist und was dieser Umstand mit Naturstein zu tun hat. Sie finden die Unterseite in der rechten Spalte des Blogs unter dem Menüpunkt “Noch mehr Lesestoff”. Weitere Texte werden folgen.

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Millionen-Projekt im historischen Postgebäude kommt voran

Geschrieben von fbtde - November 14, 2011

Lange Zeit war die Fassade verhängt – nun wird langsam offensichtlich, dass in die Alte Oberpostdirektion am Stephansplatz bald neues Leben einziehen wird. Die Sanierungsarbeiten am so genannten Ostbau des großen Komplexes gehen auf die Zielgerade, noch vor Weihnachten sollen die ersten Mieter einziehen. Wir haben mit Projektleiter Ulrich Schütte auf der Baustelle des Millionenprojekts, an dem auch Bruns & Möllendorff beteiligt ist, einen Rundgang unternommen.

Hier ein Überblick über die in Richtung Dammtorbahnhof weisende Fassade. Die aktuellen Arbeiten betreffen den Ostbau, der etwas niedrigere Mittelbau wird anschließend in Angriff genommen.

Eine Steinsäge kreischt. Hier, an der Alten Oberpostdirektion an der Ecke Dammtorstraße-/Gorch-Fock-Wall, ist immer noch ein Teil des Bürgersteigs abgesperrt. Gerade werden die letzten Gehweg-Platten zurechtgeschnitten. Durch die – untertrieben ausgedrückt repräsrentativen Türen des Gebäudes eilen ab und zu Arbeiter in Bauklamotten, die Maschinen hin- und hertragen oder nur kurz telefonieren. Die Fassade hat einen großen Teil ihrer Hüllen verloren; hier und da ist noch zu sehen, wo Sandsteine ausgebessert oder ersetzt wurden. Wir sind mit Projektleiter Ulrich Schütte verabredet, der für die Sanierung der Alten Oberpostdirektion verantwortlich ist.

Langsam fallen die Hüllen. Das historische Postgebäude paßt gut an den Eingang der Dammtorstraße, die selbst gerade eine große Baustelle ist.

Die Post wird nicht hierher zurückkehren – sie hat ihre Hauptverwaltung längst anderswo. Aber einer der Hauptmieter vor der aktuellen Sanierung, eine große Hautarztpraxis mit über 31 Ärzten, wird zurückkommen und auf einer vergrößerten Fläche einziehen. Auch eine spezialisierte Diagnosepraxis mit modernster CT- und MRT-Technik richtet sich ein. “Ein Gesundheitshaus”, sagt Schütte – dazu kommt eine Apotheke und  ein erster Flagship-Store eines Hautspezialisten, ein spezielles Restaurant wird ebenfalls einziehen. Die ersten Mieter kommen Mitte Dezember, dann folgen sukzessiv weitere, neue Bewohner.

Das einstige Postgebäude hat viele, hoch interessante Details zu entdecken. Das beginnt schon mit der Decke an der Eingangstreppe: Aufwändigste Kassetten kamen unter schlichtem Gipskarton hervor. Die einstige Schalterhalle schließt sich an: Von ihren Proportionen sei “nichts mehr übrig” gewesen, erinnert sich Schütte, “wir haben sie ihr zurückgegeben. Gerade wird indischer Sandstein verlegt – sorgfältig verteilen Arbeiter den Mörtel, in den sie jeden einzelnen Stein einbetten. Maler sind dabei, die in Eiche gefassten Rundbögen zu beizen. Ulrich Schütte hat seine Augen überall – der frisch verlegte Sandsteinboden müsse auf jeden Fall vor der Beize geschützt werden, sagte er.

Die frühere Schalterhalle der Post wird mit indischem Sandstein gepflastert. Weiter zurückliegende Teile bekommen Parkett.

Die frühere Oberpostdirektion steht unter Denkmalschutz. Schütte skizziert Absprachen: Die zwei Innenhöfe des Gebäudes seien durch zusätzliche Räume unterkellert worden. Das Haus, fährt Schütte fort, sei der erste Altbau in Deutschland, der ein LEED-Zertifikat erhalte. Nach Angaben der Website Baunetzwissen handelt es sich beim Leadership in Energy and Environmental Design um das Us-amerikanische System zur Klassifizierung nachhaltiger Gebäude – Schütte freut sich über eine Goldmedaille. Allerdings vermerkt er nich ohne Ironie, dass ein Gesetz von 1924  ein Hindernis dafür gewesen sei, Borpfähle für die Geothermie-gesteuerte Beheizung tiefer als 130 Meter in den Boden zu treiben – “99 Prozent hätten wir schaffen können”, sagt Schütte, so sind es nur 60 Prozent.

Den Fassadenschmuck darf man schon aufwändig nennen.

Die Arbeiten an dem repräsentativen Postpalast hatten immer wieder Überraschungen zu bieten. 125 Jahre, schimpft Schütte, sei das Gebäude gequält worden. In den Pfeilern entdeckten die Bauleute Hohlräume von 20 Zentimetern Durchmesser, für die es laut Schütte keine vernünftige Erklärung gibt. Weil das Haus um ein weiteres, neues Stockwerk ergänzt wurde und das höhere Gewicht abzufangen war, wurden die Löcher verfüllt. “Die Lady tritt dauernd nach”, scherzt Schütte über die ‘Reaktionen’ des Gebäudes.

Die historischen Treppenhäuser (zwei neue kamen hinzu) sind ebenfalls ein schöner Raum für Entdeckungen. Schöne Fliesen an Wänden und an Böden hier, mühsam freigelegter Granit und an die Geschichte angelehnter Stuck dort. In den Räumlichkeiten des Hautkrankheitsspezialisten findet sich der frühere Bismarck-Saal: Ein Streifen der historischen Bemalung, die man ausgesprochen üppig und detailreich nennen darf, wurde freigelegt, ansonsten bleibt der Raum weiß (wodurch er heller wirkt). “Das war eine dunkle Bude”, sagt Schütte über den historischen Charakter des Hauses.

Auch im ersten Stock, wo im jetzt überdachten Innenhof eine schöne Balustrade ringsum den Blick auf die Schalterhalle öffnet, gibt es kleine Details, wie einen gemalten Baldachin in einem der Rundbögen. Es scheint, als hätte die starke Zweckorientierung zurückliegender Jahrzehnte nicht allzu viel Freude an solchen Bauschönheiten zugelassen.

Der Sandstein der Fassade ist von Bruns & Möllendorff mit einem speziellen, australischen Korn gestrahlt worden – zusätzlich wurde so genannte Airbrush-Technik eingesetzt. Es gebe eine Verständigung mit dem Denkmalschutz, dass der Sandstein ungestrichen bleibe. Der schöne Klinker im zweiten Innenhof ist außerdem gereinigt worden. Wir steigen bis in die höchste Etage unter einem lichtdurchfluteten Glasdach hinauf – entfernt erinnert die Atmosphäre an die Berliner Reichstagskuppel. Der Charakter, sagt Schütte, werde sich noch verändern – weil Zwischenwände eingezogen werden.

Nur ein Ausschnitt von einem der repräsentativen Eingänge.

Eins macht der Rundgang mit Ulrich Schütte jedenfalls klar: Hier arbeiten Leute, die etwas davon wissen, was sie für ein Gebäude vor sich haben. Auf eine sinnvolle Weise werden Geschichte und neue Entwicklungen miteinander verknüpft. Als nächstes soll der so genannte Mittelbau in Angriff genommen werden.

Bruns-und-Möllendorff-Spezialist Michael Leissner sagt, die teilweise noch laufenden Arbeiten an der Außenfassade umfassten das klassische Programm: Wirbelstrahlen, Erneuern von Vierungen u.a.Der Sandstein war stark in Mitleidenschaft gezogen, aber “wenig kaputtsaniert”. Im Inneren seien die historischen Steine wieder hergestellt worden – also etwa Marmor in einem der Eingänge an den Wänden.

Bedeutendes Gebäude mit Geschichte

Das Gebäude der Alten Oberpostdirektion ist ein wichtiges Zeugnis Hamburger Architekturgeschichte. Postchef Heinrich von Stephan entschied bereits kurz nach der Reichsgründung 1871, in Hamburg neu zu bauen. Zunächst fehlte es an einem geeigneten Grundstück, dann ging eine Fläche, die die Stadt gekauft hatte, in den Besitz der Post über. Die Stadt forderte, im “Villenstile” zu bauen, die Post wünschte ein monumentales Haus, Architekt Julius Raschdorf hatte bereits Erfahrung und plante eine der größten derartigen Bauten des 19. Jahrhunderts.
Erstmals wurde 1898-1901 in Richtung Westen erweitert, 1918-29 wurde der Mittelbau völlig verändert, weil sich das Transportwesen komplett gewandet hatte. Nach dem Krieg wurde immer wieder umgebaut und modernisiert. Im Jahr 1966 wird die Postgeschichtliche Sammlung wieder eröffnet, im Jahr 1999 das Museum für Kommunikation. Die letzte Postfiliale zog 2000 aus, der Ost- und Mittelbau ging  2007 an die DWI. (Quelle: Projektbeschreibung DWI)

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Der gemauerte Kirchturm muss dringend repariert werden

Geschrieben von fbtde - November 11, 2011

Man kann sie beim Vorbeifahren aus der U-Bahn schon sehen: St. Gertrud. Gerade laufen an der schönen, neugotischen Kirche in der Nähe des U-Bahnhofs Mundsburg Sanierungsarbeiten, an denen auch Bruns & Möllendorff beteiligt ist. Wir haben die außergewöhnliche Gemeinde besucht.

Der gemauerte Kirchturm von St. Gertrud muss wieder hergerichtet werden.

Als wir abends vor die Kirchentür ans Wasser in die Hamburger Nacht gehen, ist es eine unschlagbar schöne Großstadtstimmung. Die U-Bahnen rattern leuchtbändernd auf der Brücke vorbei, Hamburg träumt vor sich hin, wir streifen für ein paar Augenblicke herum, eh’ wir wieder über die Straße und in die St.-Gertrud-Kirche zurückkehren. Gleich hinter der neuen, modern gefassten Tür zum Kirchenschiff unterhält sich eine lebhafte Menschenmenge, trinkt einen schönen Schluck Wein oder lässt einfaches Wasser durch die Kehle laufen. Die meisten kennen sich hier, das Klima ist freundlich, und ein Zufall scheint das nicht zu sein. Zwei Stunden Kultur sind gerade verklungen, und das ist keine außergewöhnliche Veranstaltung.  Susanne Kliemsch (Gesang) und Michael Henkel (Klavier) haben französische Chansonkultur ins Kirchenschiff gezaubert – Regula Venske, Petra Oelker, Carmen Korn  und Gunter Gerlach wechseln sich mit Lesungen und der Musik ab. Mechthild Großmann mit ihrer unglaublichen Stimme ist eine der Höhepunkte dieses Abends, der in diesem Frühjahr stattfand und ein Geburtstagsspezial war.

Ein Denkmal neben der Kirche.

Pastor Frie Bräsen erzählt in seinem Amtszimmer ein paar Tage später von einem Schlüsselerlebnis. Während eines Hausbesuchs erlebt er eine heftige Diskussion um Kirche und Glauben. Viele Intellektuelle leben in seiner Gemeinde – Journalisten, Behördenmitarbeiter. Um diese Klientel, kritisiert er, habe man sich nie wirklich gekümmert, „das, was es hier geboten wurde, war ein Niveau zu tief“. Angesichts der Debattenrunde war ihm eins klar: „Für diese Menschen musst Du was machen“. Neben der Donnerstagreihe gibt es Ausstellungen, Seminare, Bildungsreisen. Bräsen will die Kirche für Leute öffnen, die Interesse an der Auseinandersetzung haben. Längst richteten Besucher  ihren Terminkalender nach dem Donnerstagtermin, kommen auch in andere Veranstaltungen, in Gottesdienste.

In der Kirche wird jetzt gebaut, und das kann teuer werden. Es sei eine Marotte des damaligen Kirchenbaumeisters Johannes Otzen gewesen, Türme bis in den Helm hinauf zu mauern, nun seien die Fugen verwittert und müssen erneuert werden – bei der letzten Sanierung wurde der falsche Mörtel verwendet. Mit einer halben Million Euro muss man nun das Problem lösen. Bruns & Möllendorff kümmert sich um die beschädigten Sandsteine der Vierungen, die restauriert werden.

Zweck hat es allemal: Das Ensemble mit den zwei Pastoraten links und rechts der Kirche ist geschützt, auch die Nachbarschaft mit intelligent geschwungenen, verklinkerten Wohnhäusern, die nach den Kriegszerstörungen entstanden, nicht ohne Reiz und durch die Grünanlagen eilt ein  Eichhörnchen davon.Das scheint sich hier heimisch zu fühlen: Auch im Herbst huscht es wieder durch die Bäume, als die Fotos zu diesem Beitrag entstehen.

Grundsteinlegung 1882

St. Gertrud betreibt eine eigene Geschichtswerkstatt. Dort kann man lernen, dass der heutige Bau Ersatz für die frühere Gertrudenkapelle war, die beim großen Stadtbrand von 1842 zerstört wurde. Hamburg wuchs damals explosionsartig, so dass Stadt und Gemeinde das Grundstück der Kapelle gegen den heutigen Kirchenbauplatz tauschten. Für den Neubau seien damals über 460 verschiedene Backsteinsorten verwendet worden. In ihrer Gründerzeit hatte die Gemeinde bis zu 105.000 Mitglieder (1902), was zu weiteren Kirchengründungen führte.

St. Gertrud grüßt zur Hochbahn herüber, die heute als U3 in der Nähe unterwegs ist.

Ralf Lange datiert die vorletzte Instandsetzung in seinem Architekturführer Hamburg übrigens auf 1962 (Friedhelm Grundmann). Architekt Johannes Otzen habe mit St. Gertrud “den Typus der Wandpfeilerkirche weiterentwickeln” können, wie er das erste Mal mit St. Petri in Altona verwirklicht worden sei (S. 150). Bei der Sanierung sei die Außenhaut erhalten geblieben und mit ihrer “Freude an der Materialqualität und der spezifischen Farbigkeit des Backsteins” ein typisches Beispiel der Hannoverschen Schule (ebd.).

Schäden waren immens

Doch gehen wir noch einmal auf die entstandenen Schäden ein, die auf der Website der Gemeinde sehr eindrücklich dokumentiert worden sind. Untersuchungen an Turm (von innen und außen) und Kirchenschiff ergaben folgendes Bild:

  • Die Verfugung des Turmhelms war stark beschädigt, vor allem die obersten 15 Meter.
  • Es wurden vereinzelt geschädigte Ziegel festgestellt.
  • Zahlreiche Formsteine an acht Ecken des Turmhelms hatten Risse.
  • An den übrigen Mauerwerksflächen seien vereinzelt offene Fugen festgestellt worden.
  • “An den vorhandenen Sandsteinelementen sind die Oberflächen vielfach verwittert”. Teilweise, hieß es weiter, ließe sich sogar die oberste Steinschicht ablösen. Davon seien vor allem die Unterseiten von Gesimsen, Wasserspeiern etc. betroffen. “Vereinzelt wurden Risse in den Elementen festgestellt”.
  • Zahlreiche verputzte Zierelemente wiesen deutliche Schäden auf; Putzflächen am Turm hätten größtenteils Abplatzungen bzw. Hohllagen. Am stärksten geschädigte Flächen seien während der Untersuchung bereits abgenommen worden. Kleinere Verputzungen hätten Ausblühungen, hinter hohl liegendem Putz fand man Kalkablagerungen.

Wer die Arbeiten bezahlt? Eine Summe von 25.000 Euro stammte von der Stiftung Denkmalschutz, deren Angaben zufolge wurden auch Landesmittel eingesetzt. St. Gertrud, informierte die Stiftung anlässlich der Geldübergabe, sei eins von 23 Denkmalen, die man mit privaten Spenden, Glücksspirale- und Rentenlotteriegelden fördern konnte – die Bergedorfer Mühle, der Lieger Caesar und das Spiekerhus im Museumsdorf Volksdorf gehörten ebenfalls dazu.

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Hauptbahnhof: Auch Granitblöcke werden saniert

Geschrieben von fbtde - November 4, 2011

Mit viel Aufwand ist die Deutsche Bahn dabei, ihren Hamburger Hauptbahnhof bei laufendem Betrieb zu verschönern.

Im Sommer 2011 liefen am Hamburger Hauptbahnhof, der von oben gesehen ein durchaus beeindruckendes Bild abgibt, Sanierungsarbeiten. Wer einmal die Runde um die große Anlage macht, wird schnell feststellen, dass die Fassade nicht nur aus Tuff und einer Glas-Stahl-Konstruktion besteht, sondern vor allem im Sockel auch große Granitblöcke eingebaut sind. “Diese Teile können Sie nur mit einem Kran bewegen”, sagt Bruns & Möllendorff-Geschäftsführer Axel Schnöckel. Die Blöcke werden derzeit gereinigt und geflickt, um dann wieder eingebaut zu werden. Weniger offensichtlich im normalen Betrieb ist, dass auch das Dach wieder hergerichtet werden muss, außerdem gab es im vergangenen Sommer immer wieder Gleisarbeiten bei der S-Bahn.

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“Es ist eine Menge los” – keine Rezession auf dem Bau?

Geschrieben von fbtde - November 3, 2011

Auch schön: Sandstein-Tor an der Post in der Neustadt.

Bruns & Möllendorff-Chef Axel Schnöckel macht in diesen Tagen einen ganz zufriedenen Eindruck. “Es ist eine Menge los!”, sagt Schnöckel in seinem Büro – es habe regelrecht einen “heißen Herbst” gegeben. Normalerweise nimmt die Aktivität auf dem Bau mehrmals im Jahr zu: Nach Ostern, “wenn die Krokusse ‘raus sind”, geht es etwas intensiver aufwärts als vorher. Feiertage und Ferien, erläutert der Bruns & Möllendorff-Geschäftsführer, brächten immer Einschnitte, auch die Sommerferien seien mager – danach zieht die Arbeit nochmal an, bis der Winter kommt. Das, fügt Schnöckel hinzu, sei in den letzten zwei Jahren nicht so gewesen. “Eigentlich hatte ich befürchtet, daß die Rezession mit zwei Jahren Verzögerung unser Geschäft trifft – das wäre dann 2011/2012″, rechnet Schnöckel. Wird das  passieren? “Im Gegenteil!”

Renner sind im Augenblick helle Gesteine. Marmore und andere helle Steinsorten stoßen wieder auf Interesse, Granit eher weniger, “etwas angenehmere Materialien sind gefragt”. Mit Überraschung nimmt Schnöckel zur Kenntnis, dass graue Farbtöne sehr beliebt  sind; es gibt ebenso verstärktes Interesse an Schiefer. Dabei sei heute gar nicht mehr so entscheidend, dass die Leute einem Trend folgten, es gebe dagegen “etwas mehr Mut zu eigenen Entscheidungen”. Also werden Moden anders bewertet? “Ja!”.

Wer den Markt beobachtet, kann reagieren. Schnöckel ist viel in Einrichtungshäusern unterwegs und weiß, wer sich dort ein graues Sofa kaufe, “wird irgendwann auch wegen einem grauen Steinfußboden hier stehen”. Der Retrotrend sei anhaltend, selbst die Schwarz-Weiß-Welle der achtziger Jahre komme wieder. Auch Überlegungen, dass die Wohnräume ihre traditionelle Bedeutungen verlieren, kennt Schnöckel: Das Wohnzimmer finde in der Küche statt und die Ansprüche an das Bad stiegen ebenfalls – die Zeiten, dass ein kleiner, fensterloser Raum dafür ausreiche, seien vorbei. Für Bruns & Möllendorff führt das zu anderen Dimensionen in der Ausgestaltung: “Das läuft uns in die Tür”. Dass sich Schnöckel und seine Leute wünschen, der Winter mit seinen grimmigen Temperaturen könnte sich noch etwas Zeit lassen, kann man getrost annehmen.

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Die Gerüste fallen – Post am Stephansplatz wie neu

Geschrieben von fbtde - Oktober 31, 2011

Klinker und Sandstein dürften die mit am häufigsten verwendeten Baumaterialien in Hamburg sein.

Wer sich in diesen Tagen vom Gänsemarkt in Richtung Dammtor bewegt, findet eine Straße vor, die mehr als provisorisch ist. Das hat vermutlich mehr mit aktuellen Bauprojekten am Wegesrand als mit den langwierigen Rekonstruktionsarbeiten an der Eisenbahnbrücke des Dammtorbahnhofs zu tun.

An der früheren Post am Stephans-Platz fallen jedenfalls gerade die ersten Hüllen. Heraus kommt eine schön wieder hergerichtete Fassade an einem Gebäude, das zu den durchaus wichtigen der Gegend gehört (die Sandsteine hat Bruns & Möllendorff geliefert). Ein ausführlicherer Bericht über dieses Gebäude folgt.

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Das Alsterhaus zwischen Jungfernstieg und Poststraße

Geschrieben von fbtde - Oktober 27, 2011

Ein Gebäude mit interessanter Geschichte ist das Alsterhaus, das sich zwei “Seiten” hat: am feinen Jungfernstieg und der schmalen Poststraße. Wir erzählen Ihnen etwas über die Geschichte dieses Gebäudes im Rahmen unserer Serie, die sich mit Hamburger Gebäuden in Naturstein beschäftigt.

Das feine Alsterhaus am Jungfernstieg verdankt seinen Namen einem ganz besonderen Umstand.

Wer nachliest, welche Geschichte sich mit dem Namen Tietz in Hamburg verbindet, ist schnell verblüfft. Firmenchef Oscar Tietz, der den frischen Kaffee für die Lebensmittelabteilungen seiner Kaufhäuser selbst in der Hansestadt einkaufte, ist begeistert von der Hansestadt. Am 1. März 1897 eröffnet er im Großen Burstah 12 – 14 seine erste Hamburger Niederlassung. Ein modern ausgestattetes Geschäftshaus “mit umfangreicher Warenmenge und einzigartiger Lichterpracht” habe man bis dahin in Hamburg nicht gekannt, ist der Website des Alsterhauses zu entnehmen. Das Tietz-Geschäft blüht, der Jungfernstieg wird immer beliebter: Tietz kauft “Scholvins Passage” mit zwei Häuserreihen und das benachbarte Hotel “Zum Kronprinzen”. Dies sei mit 5.200 Quadratmetern das größte Grundstück, das “bis dahin in Hamburg gehandelt worden war”.  Im April 1912 wird das Warenhaus Hermann Tietz eröffnet. Für Hamburger Verhältnisse sei die große Lebensmittelabteilung ein absolutes Novum gewesen, berichtet das Alsterhaus auf seiner Firmen-Website.

Noch ein Blick auf die Vorderfront des Hauses am Jungfernstieg.

Ralf Lange schreibt in seinem Hamburger Architekturführer, das von den Architekten Cremer & Wolffenstein in den Jahren 1911/12 errichtete Gebäude füge sich “mit seiner Skelettfassade und dem charkteristischen Mansarddach problemlos in die Hamburger Kontorhausbebauung ein” (S. 45). Lange erkennt sogar eine Kongenialität gleichzeitig in Berlin und Hamburg entwickelter Lösungen; wenn auch die Auflösung der Fassaden in ein System vertikaler Stützen in Berlin vorrangig ein Kennzeichen des Einzelhandels geblieben sei – in Hamburg gehe es um das Bedürfnis nach flexibel aufteilbaren Büroflächen.

Verantwortlicher des letzten großen Umbaus (2003-2005) war der Hamburger Architekt Christian F. Heine. Er weiß, aus welchen Natursteinen die Fassaden der Gebäude, die vom Jungfernstieg bis in die parallel verlaufende Poststraße reichen, gearbeitet sind: Am Jungfernstieg wurde Muschelkalk eingesetzt. Die Rückseite an der Poststraße besteht aus Sandstein. Auf der Seite Poststraße /Bei der Stadtwassermühle sei ein Kriegsschaden an der Fassade mit Betonstein repariert worden, sagt Heine.

Die Glaskuppel des Lichthofes im Inneren gibt es nicht mehr. Auch das klassische Kaufhaus ist Vergangenheit: Heute geht es um das einzigartige “Einkaufserlebnis mit internationalen Luxusmarken”, wie es beim Alsterhaus heißt..

Üppiger Fassadenschmuck an der Vorderseite der Fassade.

Über die Frage, warum das Alsterhaus seinen Namen trägt, gibt es indes unterschiedliche Darstellungen. Die offizielle Website nennt dafür keinen besonderen Grund. Einer Arbeit der Wuppertaler Initiative Friedrichstraße zufolge ist Georg Karg “im Zuge der Arisierung jüdischer Unternehmen zu Zeiten des Nationalsozialismus 1933 von der Dresdner Bank als Geschäftsführer des Kaufhauses Hertie” eingesetzt worden. Dieser Quelle zufolge kaufte Georg Karg 1939/40 den Hertie-Konzern, zu dem das Alsterhaus gehörte, auf.

Der Name Tietz ist sehr eng mit der deutschen Kaufhausgeschichte verbunden. Die Wuppertaler Arbeit erinnert daran, dass das erste Kaufhaus von Oscar Tietz 1882 in Gera eröffnet wurde. Sein Bruder Leonard Tietz gründete seine eigene Kaufhaus-Gruppe (später “Kaufhof”). Oscar Tietz betrieb in Berlin zehn Kaufhäuser. “Alle Unternehmen der Familie Tietz werden im Dritten Reich von den Nationalsozialisten erst arisiert und später enteignet, die jüdischen Besitzer fliehen ins Ausland”.

Der Wikipedia-Artikel zum Alsterhaus vertritt die These, der Konzern Hermann Tietz sei im Zuge der Arisierung in Hertie umbenannt worden, das Haus am Jungfernstieg habe in diesem Zusammenhang den Namen Alsterhaus erhalten. Architekt Heine meint indes, die Namensgebung habe schon länger bestanden.

Die Front auf der Rückseite wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit Betonstein repariert.

Im Alsterhaus selbst heißt es auf Anfrage, die Namensgebung des Hauses hinge mit der NS-Geschichte zusammen. Derzeit sei ein Hamburger Institut dabei, dieses Thema aufzuarbeiten. Im kommenden Jahr stehe der 100. Geburtstag des Alsterhauses an, eine Ausstellung und möglicherweise eine Broschüre werden ins Auge gefasst.

Der Betrieb des Hauses selbst gehört übrigens zu Karstadt (seit 1994), seit 2010 im Besitz von Nicolas Berggruen. Das Viertel zwischen Jungfernstieg und Poststraße ist an Geschäftstagen gewaltig frequentiert – und in den großen Schaufenstern am Jungfernstieg kann man an Sommerabenden schon mal sitzen und sein Eis genießen. Dabei wird man dann vielleicht entdecken, dass der “Wandbeker Bote” Matthias Claudius in einem der Vorgängergebäude, die sich bis zum großen Stadtbrand von 1842 hier erhoben, gestorben ist. Daran erinnert eine schöne Gedenktafel an der Fassade.

Warum das Alsterhaus seinen Namen trägt, wird derzeit gründlich aufgearbeitet.

Was ist Muschelkalk? Das Fachbuch “Die Entwicklungsgeschichte der Erde” erläutert, Muschelkalk gehöre zu den Dichten Kalksteinen (S. 613). Dieser enthalte meistens viele Fossilreste. Im Prinzip sind es verdichtete, abgelagerte Skelette einstiger Meerestiere. Geologen verwenden das Wort Kalkstein auch als Oberbegriff: Travertine gehören ebenso dazu, auch Marmore. Kalkstein ist ein sehr vielfältig, weit über die Baunindustrie hinaus verwendeter Rohstoff. Bei bestimmten Kalksteinen muss man, was die Frostsicherheit angeht, sehr genau hinschauen.

Sandstein haben wir im Zuge unserer Serie schon mehrfach erläutert – er scheint nach dem Klinker der am häufigsten verbreitete Baustoff in Hamburg zu sein.

Literatur: die erwähnten Websites und Langes Hamburger Architekturführer

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Sorgfältig restauriert: das Haus an der Ecke

Geschrieben von fbtde - Oktober 25, 2011

Das Haus Hohe Bleichen 28 gehört in unsere Serie, die sich mit in Naturstein gefassten Häuser in der Hansestadt Hamburg beschäftigt.

Das Haus Hohe Bleichen 28 ist sorgfältig restauriert worden.

Die Straße Hohe Bleichen gehört zu einem so genannten Business Improvement District (BID). Kern einer solchen Aktion ist es, private und öffentliche Hand zueinander und in der entsprechenden Gegend etwas voranzubringen. In Hamburg gibt es inzwischen eine ganze Reihe solcher “Districts”.

Blicken wir zurück: Das Haus Hohe Bleichen 28 wurde im Jahr 1897 begonnen. Die damalige Gewerkschaft Neue Erdöl-Raffinerie (NERAG), eine Aktiengesellschaft mit vinkulierten Namensaktien, die sich der Erdöl-Raffinierung widmete, brauchte Verwaltungsraum. Der Jugendstil steht, wie die Verzierungen, ja Ornamente der Fassade zeigen, an diesem Haus in voller Blüte. Außergewöhnlich dürfte der geschweißte Tresorraum im Keller gewesen sein – mit dem Auszahlungsraum für die Beschäftigten eine Etage höher direkt über eine Treppe verbunden. Von Anfang an war dieses Haus nur Verwaltungsgebäude.

Der Fassadenturm setzt den entscheidenden Schwerpunkt.

Das Dachgeschoss und der Aufzug wurden dem Gebäude erst später hinzugefügt. Im Jahr 1920 kaufte Julius Schindler das Haus. Der erfolgreiche Geschäftsmann benannte sein Unternehmen 1917 in Oelwerke Julius Schindler um. Im Jahr 1918 hatte Schindler eine Raffineriegelände in Neuhof erworben.

Schönheit am Bau ist ein Zeichen der Zeit. Foto: Büro Zöllner

Julius Schindler musste sich als Jude 1938 durch Emigration vor der nationalsozialistischen Verfolgung retten. Als “kriegswichtiger Versorgungsbetrieb” bestanden die Oelwerke weiter und wurden “arisiert”. Nach Informationen der Website “Das Jüdische Hamburg” waren bis 1939 rund 1500 “jüdische” Unternehmen freiwillig oder erzwungen liquidiert und an “arische” Besitzer verkauft worden. Außerdem hätten in Hamburg hunderte von Liegenschaften den Besitzer gewechselt oder seien unter Zwangsverwaltung gestellt worden.

Offensichtlich kann man aber in keiner Weise davon ausgehen, dass diese Besitzwechsel legal oder legitim waren: Nach anfänglichem Zögern habe es 1938/39 einen regelrechten Bereicherungswettlauf gegeben. Nach Ende der Naziherrschaft wurden die Oelwerke Schindler an ihren rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben, der allerdings nicht mehr nach Deutschland zurückkehrte; seit Ende der sechziger Jahre gehört die Firma zur Deutschen BP. Im Jahr 2008 feierte das Unternehmen, das sich nach Informationen der Industrie- und Handelskammer auf spezielle Raffinerie-Nischenprodukte spezialisiert hatte, seinen 100. Geburtstag.  Seit 1977 gehört das Haus Hohe Bleichen nicht mehr dem Unternehmen. Damals hatte es Planungen gegeben, die Straße Hohe Bleichen wesentlich zu verbreitern, was den Abriß beider Straßenrandbebauungen zur Folge gehabt hatte. Über einen Zwischeneigentümer kam das Gebäude seit 2006 wieder in Privatbesitz, 2007 folgte die denkmalgerechte Sanierung.

Die reich gegliederte, sorgfältig gearbeitete Fassade des Eckhauses Poststraße/Hohe Bleichen passt gut in die Umgebung.

Das Erdegeschoss mit Laden ist zunächst mit Basaltlava, darüber mit Sandstein eingefasst. Fenster- und Türrahmen wurden mit schön gearbeitetem Sandstein gearbeitet. Ab der ersten Etage besteht die “Außenhaut” aus grün-/weiß gestrichenem Putz, zwischen den Fenstern der ersten und zweiten Etage kann der Betrachter aufwändig gearbeiteten Stuck bewundern. Besonders schön ist auch der im zweiten Stock aus dem Baukörper heraustretende, runde Erker, der im Dach in einem kleinen Turm mündet.

Schön gearbeitete Sandstein-Verzierungen an der Fassade.

Die Sanierungsarbeiten an dem Gebäude wurden übrigens 2008 ausgezeichnet: Das Haus ist “Hamburgs schönste Fassade 2008″ im gemeinsamen Wettbewerb des Denkmalschutzamts und der Gebäudereiniger-Innung. Die Natursteine für diese Arbeiten kamen von Bruns & Möllendorff.

Was ist Basaltlava? Auf den ersten Blick ist man versucht, Basaltlava mit Basalt zu verwechseln. Doch es gibt einen wichtigen Unterschied: Basaltlava entsteht nach Angaben des Steinarchivs, wenn Magma an die Oberfläche kommt und schnell erkaltet. Die für Basalt typischen, langen Säulen kommen zustande, wenn das Abkühlen langsamer vonstatten geht. Basalt ist der Naturstein mit der größten, weltweiten Verbreitung.

Stukkaturen heben das Haus als besonders hervor.

Was ist Sandstein? Unsere Serie über Hamburger Bauwerke in Natursteine zeigt, dass Sandstein als Fassadenwerkstoff in Hamburg vergleichsweise häufig vorkommt. Im Prinzip handelt es sich bei diesem Naturstein um miteinander verkettete Sandkörner. Die Festigkeit ist abhängig vom Verkettungsmittel. Heute wird Sandstein aus vielen Ländern nach Deutschland eingeführt – in der Denkmalpflege gibt es darüber hinaus seit einiger Zeit intensive Bemühungen, historische Sandsteinbrüche zu reaktivieren, um originale Baustoffe zu verwenden.

Dank an Architekt Hans-Ulrich Zöllner für zur Verfügung gestelltes Material (einschl. Fotos)

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Hamburger Freimaurer werden im nächsten Jahr 275 Jahre alt

Geschrieben von sonnenland - Oktober 11, 2011

Was haben die Freimaurer mit Natursteinen zu tun? Bei genauerem Hinsehen eine ganze Menge. Die erste Hamburger Loge wurden vor bald 275 Jahren gegründet – wir trafen den Architekten Hans-Ulrich Zöllner, der eine Menge über die ersten Freimaurer berichten kann. Im nächsten Jahr wird in der Hansestadt Geburtstag gefeiert.

Das Denkmal für Lessing auf dem Hamburger Gänsemarkt - er war Freimaurer.

Die Unterhaltung mit ArchitektHans-Ulrich Zöllner ist etwas Besonderes. Ruhig und konzentriert öffnet er den Blick in einen Teil europäischer Geistesgeschichte, über den ansonsten sehr wenig geredet wird: die Freimaurerei. Anlass ist der bevorstehende 275. Geburtstag der Hamburger Loge “Absalom zu den drei Nesseln”, der im kommenden Jahr gefeiert wird und der Zöllner angehört. Bruns & Möllendorff ist mit von der Partie: In der Demonstrationsbauhütte am Gänsemarkt, die aus diesem Anlass aufgebaut werden wird, arbeitet ein Steinmetz des Unternehmens. Doch beginnen wir von vorn.

Der Hamburger Architekt Hans-Ulrich Zöllner weiß eine Menge über Freimaurer.

Die heutigen Freimaurer gehen auf die Zeit der Steinmetzbruderschaften im Mittelalter zurück. Es geht in die Zeit der großen Dombauhütten – “zum Beispiel die Kölner Dombaumeister”, sagt Zöllner, “hatten einen ähnlichen Stellenwert wie der Pfarrer oder Bürgermeister”. Und: Im Gegensatz zu anderen Berufen besaßen Steinmetze Freizügigkeit, durften sich niederlassen, wo sie wollten. Zugleich hüteten sie ihr Wissen ausgesprochen sorgfältig. Das ist, sagt Zöllner, “bis in die Zeit der Renaissance so geblieben”.

Nicht nur im heutigen Deutschland waren die Steinmetzbrüder aktiv, noch mehr in Frankreich. Sie wußten nicht nur alles im Umgang mit Steinen, sie hatten genauso Wissen über Statik und Dekoration. Die Kathedralen seien nicht nur strikt nach Osten ausgerichtet worden, sondern nach Jerusalem. Zöllner berichtet am Beispiel der Kathedrale in Chartres von  einer Sonnenscheibe in Form eines Labyrinths – durch das der Himmelskörper genau zum Mittag scheint, um die entsprechende Zeit  anzuzeigen und das Labyrinth voll zu erleuchten. “Da staunt man, wie die das damals hingekriegt haben”.

Aus Praxis wurde Theorie

Dann gingen im kontinentalen Europa die Aufträge zurück. Die großen Dome waren fertig, das Geld häufig alle. Die Steinmetze gingen nach England, bauten auch dort noch ein paar Kirchen bzw. richteten bestehende her, dann war “auch das zu Ende”.

Längst hatte vieles Symbolkraft gewonnen. Der Rechte Winkel, wichtiges Hilfsinstrument beim Bearbeiten des Natursteins, stand und steht bis heute dafür, “in Recht und Pflicht zu wandeln”. Auch andere Werkzeuge sind heute mit symbolischen Inhalten verbunden.

Dass berühmte Leute Freimaurer wurden, lässt nicht lange auf sich warten. Mozart? “Stimmt”, sagt Zöllner, “aber auch Schikaneder!” Gemeint ist Theatermann und Librettist Emanuel Schikaneder, mit dem Mozart zusammen die “Zauberflöte” schrieb – diese Oper, sagt Zöllner, “bedient sich ungeniert der Freimaurer-Symbole”. Nach innen pflegten die Freimaurer eine außergewöhnliche Freiheit: das allgemeine Verbot, über die Stände hinweg miteinander Kontakt zu haben, galt für sie nicht. Damit ist die Geschichte der Freimaurer längst in der Zeit der Aufklärung angekommen – Goethe und Lessing sind nur zwei weitere, wichtige Namen.

Auch der "Wandsbeker Bote" Matthias Claudius (1740-1815) ist Freimaurer gewesen. Unser Foto zeigt die an ihn erinnerende Skulptur von Bernd Stöcker auf dem Wandsbeker Markt.

Vorbehalte, Geheimnistuerei – all das führt Zöllner auf die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland zurück. Erich Ludendorff habe “ungeniert auf dem Rücken der Freimaurer Schmähschriften verfasst”. Die Nazis verfolgten die Freimaurer, Hamburger Stolpersteine erinnern auch an sie, einige hundert, vermutet Zöllner, kamen in den KZs ums Leben.

1737: Auftakt in Hamburg

Die ersten Logen in Hamburg entstehen vor 274 Jahren. Bald beginnt soziales Engagement: Ein Krankenhaus für die weiblichen Hausangestellten der Hansestadt. Deren Situation sei fatal gewesen – Krankheit war mit Entlassung verbunden. Der Ruf des Hauses, dass die Freimaurer finanzieren, wird schnell so exzellent, dass die höheren Damen, wurden sie krank, sich dort in Behandlung begeben. “Heute”, sagt Zöllner, “ist es ein Altenheim”.

Gegenwärtig unterhalten Hamburger Freimaurer – in der Hansestadt existieren außer der Loge Zöllners 40 weitere – u.a. mehrere kleine Stiftungen; sie spenden für ein Kinderkrankenhaus, loben verschiedene Preise aus – “es gibt eine ganze Kette”.

Noch einmal ein anderer Blick auf Lessing. Zu seinen Füßen wird sich die Demonstrationsbauhütte erheben.

In der letzten Septemberwoche 2012 wird auf dem Gänsemarkt eine besondere Form des Geburtstagfeierns stattfinden. Passanten können in einer Demostrationsbauhütte besichtigen, wie unter den Händen eines Steinmetzes von Bruns & Möllendorff ein Brunnen aus Naturstein entsteht. Wenn das Bauwerk fertig ist, soll es in der Turmhalle von St. Michaelis seinen Platz finden. “Freimaurer sind keine Gegner des christlichen Glaubens – im Gegenteil! Viele Hauptpastoren und Pastoren gehören zu uns”, weiß Zöllner. Er erläutert, es gebe christlich orientierte und zum anderen humanitär ausgerichtete Logen. Wenn sie zusammenkämen, fände keine Liturgie wie in der Kirche statt – die Brüder arbeiteten miteinander, dabei tragen sie besondere Kleidung, die sich an die Tradition der Steinmetze anlehnt.

Ein Freimaurer, sagt Zöllner, “ist ein freier Mann von gutem Ruf”.  Nur, wer auf dem Boden der Freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehe, könne dazu gehören. Ein Freimaurer sei nicht dogmatisch, er äußert sich als Freimaurer öffentlich nicht zu Politik und Religion. Nachwuchsprobleme kennt Zöllners Loge nicht – sie sei eher sogar zu groß. Man gewinne den Nachwuchs aus den eigenen Reihen – auch der Architekt ist durch einen Bekannten Freimaurer geworden.

Auf die Bauhütte am Gänsemarkt darf man gespannt sein – sie wird der aus ohnehin spannenden, Hamburger Geschichte noch einmal eine selten gesehene Facette deutlich machen.

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